27. April 2026 - Portrait

«Ich liebe alle Farben, Hauptsache sie sind grün.»

Beitragsbild: «Hexenthron»

patCHquilt Mitglied, Dr. med. Jutta Böhmler-Hahn ist Aerztin, seit 2019 im Ruhestand und beantwortet uns im Mai Portrait meine Fragen zu ihrem Künstlerdasein.

Vor mehr als 20 Jahren lernten wir uns in den Kursen von Nancy Crow kennen, und ich freue mich sehr, patCHquilt das Portrait dieser Künstlerin aus Tübingen D zu präsentieren!

Im Zusammenhang mit einem ihrer Quilts begegnete mir vor Jahren auch die folgende Aussage:

«Ein Quilt verbindet immer – er hält zusammen, was vermeintlich nicht zusammengehört»
Zitat Dr. Jutta Böhmler-Hahn

Layout und  Interview für patCHquilt/ Regula Affolter/im April 2026
Uebersetzung des Textes durch G/translate

«Louis XIV kann es nicht fassen»                                                       «Der Doge«

Wann hast Du mit dem Patchwork/Quilten oder dem Entwerfen textiler Arbeiten begonnen?

Jutta: Zu Hause lernten wir 3 Töchter nähen, das gehörte dazu.
Aber ich bin Linkshänderin, das war für alle Handarbeitslehrerinnen ein Problem…
Dann war ich 1980 in USA und sah die ersten richtigen Quilts, u.a. In Baltimore, und San Francisco.
Dort kaufte ich mein erstes Heft zum Quilt nähen. Ich brauchte mit allen Unwegbarkeiten ca. 6 Jahre um meinen ersten Quilt, einen Bethlehem Star fertig zu bekommen.
Dann war ich ein paar Mal bei Libertys in London, da ein Studienkollege eine Professur in London hatte, und ich bei ihm wohnen konnte. Das waren meine ersten Kurse für Patchwork.
2002 folgte die erfolgreiche Kursleiterausbildung der deutschen PW Gilde.
Kurse gebe ich keine, da ich in unserer Stadt bekannt bin wie eine bunte Hündin.

Seit fast 20 Jahren war ich immer wieder bei Kursen von Nancy Crow. Sie ist meine Lehrerin und großes Vorbild.

«Schwarz-Weiß Komposition»   «Komplementärfarben-anders»        «Tangram»

Wie sieht Dein Quilt Tag aus?
Arbeitest Du intuitiv, nach Schema oder gemäss einer bestimmten Technik?

Jutta: Seit ich glückliche Rentnerin bin (2019), nähe ich immer noch mit Vorliebe abends und nachts.

Ich arbeite intuitiv, fertige keine Zeichnungen an, und bevorzuge das Piecing. Ich habe verschiedene Techniken und auch Materialbearbeitungen versucht,  bin aber immer wieder beim klassischen „Nähen“gelandet. Ich persönlich fange nichts mit Verbrennen, Ätzen, Entfärben etc. das dürfen Andere machen, die das besser können. Für mich ist das immer eine Verletzung/Zerstörung eines Materials oder der Materie, das kann ich von „Berufswegen“ aus nicht leiden.

Ist für Dich der Entwurf immer zielführend?

Jutta: Ein Entwurf ist für mich nicht immer zielführend, und und ich setze ihn manchmal auch erst nach Jahren um.

Woher nimmst Du Inspiration und Ideen?
Bevorzugst Du bestimmte Materialien?

 

Jutta: Ideen sammle ich unterwegs, auf Ausstellungen, im Alltag, aber nicht viele Ideen finden den Weg zum Quilt. Ich liebe Baumwolle, arbeite aber auch mit Begeisterung mit verschiedenen Materialien und Stoffen sowie deren Kombinationen.

Obwohl Grün meine Favoritenfarbe ist, arbeite ich natürlich auch mit anderen Farben, auch, um das Auge zu schulen. Leider kann ich manchen Farben nichts abgewinnen. Ich sehe ein Blau, aber ich kann es nicht in eine Komposition einbringen.  Oder Beige, das funktioniert für mich nicht. Natürlich geht die Farbe grün alleine auch nicht, es fehlt oft der Hingucker, oder der „Herzensbrecher“. Rot gibt da mehr her.

Da ich eine alte Bauhäuslerin bin, musste ich viel lernen um die „Nichtfarben schwarz und weiß und alle Grautöne“ zu verarbeiten, um Vordergrund und Hintergrund heraus zu arbeiten, sie ineinander übergehen zu lassen oder zu trennen.

Ich versuche auch andere Handarbeitstechniken, aber ich lande immer wieder beim Nähen von Quilts, wie schon erwähnt.
Ich habe auch alte Stühle „aufgehübscht“, den ersten fand ich in braun, bezogen mit altrosefarbenem Frottier, er ist der Stolz meiner Stuhlriege.

Dann kam nach ein paar Jahren ein „Erbstück“ ebenso langweilig wie altbacken,  heute würde er prima in den venezianischen Karneval im Dogenpalast passen. Die letzten zwei, Erbstücke von Freundin Beates Mutter sind inzwischen schwarz und quietschgrün, klassische Quadrate aber kombiniert in Materialmix.
      Das sind: „Ludwig der XIV. kann es nicht fassen“., sowie „der Doge“, oder „Hexenthron“.

Ein Sonnenschirmständer ist meiner Stoffgier ebenfalls zum Opfer gefallen…

Vor 5 Monaten habe ich meinen „Revival“ aus Japan zurückbekommen,  ein klassischer Restverbrauch, von Streifenstücken, die mal bei Nancy entstanden. 

Und mein letztes fertiges Opus ist mein grüner Avatar, der auch aus Resten entstanden ist, halt vielen grünen Resten. 

Normalerweise gibt es keine Kommentare zu meinen Quilts.  Denn ich finde, jeder soll frei dazu denken und entscheiden was er darin sieht, fühlt oder mag.  Jeder Kommentar beeinflußt!

Ich wollte ihn der Patchworkgilde  für T-M spendieren, also musste ich einen Kommentar liefern: „Der grüne Avatar“  soll die Repräsentation eines Charakters, in verschiedenen Umgebungen, in dem Fall 2 Seiten, darstellen.

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Sanskrit, und bedeutet auch Inkarnation, Verstärkung um ein Vielfaches, damit Aufzeigen der Vielfalt von Grün. Trotz dieses geistigen Höhenfluges hat er es nicht in die Ausstellung geschafft, aber mir, und das ist das Wichtigste, gefällt er trotzdem sehr!

 

  

Werk Avatar:  Vorder und Rückseite

 

„L’Ultimo“ ist noch unvollendet: er entstand in Neumünster bei Nancy Crow‘s letztem Kurs in Europa, 2024. Danach habe ich einen Teil zur Serie ausgearbeitet. Er muss noch gequiltet werden.

Was möchtest Du uns gerne zum Thema „textiles Gestalten“ mitteilen?

 Jutta: Textiles Gestalten, finde ich, muss jede Frau selbst definieren und was sie damit meint. Für mich bedeutet es wilde Farbkombinationen, wilde Materialkombinationen, und auch unkonventionelle Zusammenfügemethoden.

 

Arbeitest Du im eigenen Atelier oder eher hobbymässig?

Jutta: Mein Arbeitszimmer ist mein Atelier, wenn es mir zu klein wird, weiche ich auf einen Türspion aus, oder habe mich auch schon im Gemeindesaal eingemietet. Die Gegensätze machen Spass, in jeder Beziehung: ob Stoff, Material oder Arbeitsplatz-Mix.

Gibt es in Zukunft Ausstellungen?

Jutta: Die Coronazeit hat mich in vielerlei Hinsicht ausgebrems, keine Ideen, keine guten Ausstellungen, und auch, daß wir einfach älter werden, und wir nicht mehr soviel Elan und Arbeit in Ausstellungsprojekte stecken. Und ein guter Quilt braucht einfach lange!

Wo kann man Deine Werke besichtigen? 

Jutta: Ich will schon lange eine Homepage machen, aber…

 

 Liste der Ausstellungen – eine Auswahl

Einzelausstellungen                                                 
                              Milchwerk Radolfzell 2009
                              Karlsruhe 2011                                                                                                                                                                                                        Europäisches Patentamt München 2013   
                              Altes Dampfbad Baden-Baden 2016
                              Sainte-Marie-aux-Mines 2016             
                              Gewerbemuseum Spaichingen 2018

Gruppenausstellungen

«Color Improvisation II» 2016-2018

 Japan 2019-2021, 2023- 202

„FreiScherler“ 2005- 2019

Weitere  Ausstellungen in Deutschland, Frankreich, Russland,Schweiz,  Spanien, Tschechien, USA

Preisträger Quilts      

2004 World Quilt Competition

2019  15. Quilt Nihon Exhibition

2023  17. Quilt Nihon Exhibition

 

Kontakt Dr. Jutta Böhmler-Hahn

 

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Und  Jutta’s  Schweizer Tasche….. inspiriert und geschaffen im Zusammenhang mit dem Taschen Challenge von patCHquilt 2025.